Banner der Ausstellung im DHM: „Umstrittene Verwandtschaft.” Foto: DHM

Die neuste Ausstellung im DHM: „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt”

Vom 16. Oktober 2026 bis zum 11. April 2027 im Pei-Bau, Untergeschoss

Was verbindet koloniale und nationalsozialistische Gewalt, worin unterscheiden sie sich, und warum ist der Vergleich beider Gewaltregime bis heute Gegenstand kontroverser Debatten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“ im Deutschen Historischen Museum. Als weltweit erste Ausstellung zu diesem Thema beleuchtet sie die fast hundertjährige Geschichte einer Auseinandersetzung, die weit über die Geschichtswissenschaft hinausreicht.

Anhand historischer Quellen, Perspektiven von Historiker*innen sowie aktueller Forschungsansätze untersucht die Ausstellung Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die Grenzen eines Vergleichs. Sie lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich auf Grundlage historischer Fakten eine eigene Meinung zu bilden und sich differenziert mit einem der zentralen geschichtspolitischen Diskurse unserer Zeit auseinanderzusetzen.

Nach einer ersten Einführung in die „Umstrittene Verwandtschaft“ zwischen Kolonialer und nationalsozialistischer Gewalt, beschäftigt sich der erste von insgesamt neun Räumen der Ausstellung mit der Frage, unter welchen Bedingungen antikoloniale Intellektuelle während der 1930er Jahre erstmals die These einer Verwandtschaft von Kolonialismus und Faschismus in Umlauf brachten. Der Überfall des faschistischen Italiens auf das Kaiserreich Abessinien im Oktober 1935 und die globalen Proteste gegen den äußerst brutal geführten kolonialen Eroberungskrieg bilden hierfür den Rahmen. 

Im weiteren Rundgang erschließt die Ausstellung eine Reihe von Sachthemen, die für beide Herrschaftssysteme zentral und Gegenstand wiederkehrender Debatten sind: Repression, Rassismus und Antisemitismus, Eroberung und Siedlung, Konzentrationslager, Kollaboration, Widerstand, Zwangsarbeit, industrielle Vernichtung sowie die (Un-)Sichtbarkeit extremer Gewalt. Dabei stellt die Schau historische Quellen zeitgenössischen wie späteren Deutungen gegenüber und untersucht die politische Verwendung solcher Parallelisierungen seit den 1930er Jahren.

Im letzten Raum beleuchten aktuelle Videointerviews mit internationalen Historikerinnen und Historikern unterschiedliche Perspektiven auf das Verhältnis kolonialer und nationalsozialistischer Machtausübung: Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Kontinuitäten, Brüchen und Vergleichbarkeit.

Öffnungszeiten & Eintritt

16. Oktober 2026 bis 11. April 2027

täglich 10 – 18 Uhr

Für Mitglieder des Museumsvereins (bitte Mitgliedsausweis an der Kasse vorweisen) und bis 18 Jahre kostenfrei
Sonst 7,00 € Eintritt, ermäßigt 3,50 €. Zum Ticketshop

Öffentliche Führungen
 
Auf Deutsch (3 €, 60 Min):

Mo 15 Uhr, Do 15 Uhr, Fr 14 Uhr, So 16 Uhr. Zur Buchung

In Englisch (3 €, 60 Min):
 
Di 13 Uhr, Sa 16 Uhr. Zur Buchung
 
Themenführungen (kostenfrei)
 
Mo 09.11., Di 10.11. & Do 12.11.
Der 9. November in der deutschen Geschichte
Mo 14.12. (bald buchbar)
Internationaler Tag gegen Kolonialismus
Mi 27.01. (bald buchbar)
Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust
Do 25.03. (bald buchbar)
Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels
 
Auch Mitglieder des Museumsvereins zahlen die Führungsgebühr. Kostenfreie Führungen für Mitglieder finden Sie in unserem Kalender.

Das Begleitprogramm

Zugänge. Ein Zitat, ein Objekt, ein Raum

Das Begleitprogramm ist kostenfrei, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. 

Wichtig: Bitte sagen Sie ab, falls Sie kurzfristig nicht teilnehmen können. Schreiben Sie dazu an: veranstaltung@dhm.de

Verhandlungen. Kolonialismus und Nationalsozialismus vor Gericht

Vier Prozesse, in denen es um koloniale und nationalsozialistische Gewalt ging – und im Gerichtssaal selbst oder in den begleitenden Debatten auch um deren Vergleich. Was wurde angeklagt, wie wurde verteidigt? Welche gesellschaftlichen und geschichtspolitischen Auseinandersetzungen der 1940er, 1960er, 1980er und 2010er Jahre wurden mit verhandelt? 

Das Begleitprogramm ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich und bald möglich.

3. Februar 2027, 18.30 Uhr
Die USA gegen Otto Ohlendorf u.a. 1947/48
Mit Leonie Steinl, Alexa Stiller u.a.

17. Februar 2027, 18.30 Uhr
Das Militärgericht gegen Djamila Boupacha 1960/61
Mit Raphaëlle Branche, Stephan Malinowski u.a.

3. März 2027, 18.30 Uhr
Die Staatsanwaltschaft gegen Klaus Barbie 1987
Mit Jan Gerber, Annette Wieviorka u.a.

17. März 2027, 18.30 Uhr
Mutua u.a. gegen Großbritannien 2012
Mit Caroline Elkins, Claus Kreß u.a.

Wichtig: Bitte sagen Sie ab, falls Sie kurzfristig nicht teilnehmen können. Schreiben Sie dazu an: veranstaltung@dhm.de

Programmtage mit Filmen, Führungen, Vorträgen und Workshops

Allianzen. Antikoloniale und antifaschistische Netzwerke

Gemeinsame Sache statt tiefer Gräben: Wann und wo gab es im Kampf gegen Kolonialismus und Nationalsozialismus solidarische Netzwerke und übergreifende Bündnisse? Wie sind sie entstanden, wer hat sie geprägt und was zeichnet sie aus?
24. Januar 2027, 10-18 Uhr

Schauplätze. Gewalt und Widerstand in Ausstellungen

Von Propagandaausstellungen über „Völkerschauen“ bis zu Widerstandsausstellungen: Wie wurden Gewalt, Hierarchien und Machtverhältnisse in und durch Ausstellungen inszeniert und manifestiert – oder auch infrage gestellt und unterlaufen?
28. Februar 2027, 10-18 Uhr

Publikationen zur Ausstellung

Visual Publikation: „Umstrittene Verwandtschaft."

Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt

Die Frage nach der Vergleichbarkeit von Kolonialismus und Nationalsozialismus stand in den letzten Jahren im Zentrum erbittert geführter geschichtspolitischer Debatten. Die Kontroverse reicht allerdings weit über die Geschichtswissenschaft hinaus und begann bereits in den 1930er Jahren. Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Frage nach der angeblichen „Verwandtschaft” zweier Gewaltregime, die auf den ersten Blick eine Reihe von Gemeinsamkeiten, auf den zweiten Blick auch erhebliche Unterschiede aufweisen: die jahrhundertelange europäische Kolonialherrschaft und die kurze, von radikaler Beschleunigung geprägte NS-Herrschaft in Europa.

Der Band untersucht für 1900 bis 1960 die Grundlagen dieses Vergleichs und behandelt Themenfelder wie Rassismus, Antisemitismus, Zwangsarbeit, Kollaboration und Widerstand. Welche Bedeutung besaßen zum Beispiel Konzentrationslager im jeweiligen Kontext? Wie unterschied sich etwa die Konstellation für antikoloniale Guerillaeinheiten von den Aufständen im Warschauer Ghetto oder in Auschwitz? Mit Blick auf ein breites Spektrum internationaler Beispiele soll der Band dazu beitragen, eine stark emotional geführte Debatte zu ihren sachlichen Kernen zurückzuführen.

Herausgegeben von: Raphael Gross und Stephan Malinowski für das Deutsche Historische Museum

Göttingen 2026, 304 Seiten, Wallstein Verlag

ISBN 978-3-8353-6187-4

28 € ab sofort im DHM-Museumsshop und online erhältlich

Cover des Magazins Historische Urteilskraft mit dem Titelthema: „Koloniales und antikoloniales Denken" des DHM.

Historische Urteilskraft 05. Titelthema: Koloniales und antikoloniales Denken

Das fünfte Heft der „Historischen Urteilskraft” befasst sich mit kolonialem und antikolonialem Denken in der deutschen Geschichte. Es fragt, wie sich Kant, Herder und Hegel zum Kolonialismus positioniert haben, und stellt zeitgenössische Kritiker der deutschen Kolonien vor. Zudem geht es um kolonialistische Bewegungen im Nationalsozialismus und um die Kolonialismuskritik in dieser Zeit, um den Antikolonialismus in der DDR und die kritischen Stimmen in der Bundesrepublik vor 1989.

Daneben führt die Schriftstellerin Barbara Honigmann aus, warum die Erzählung der Geschichte immer auch die Geschichte der Erzählung ist. Rosemarie Burgstaller schreibt über die nationalsozialistische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies”. Jens Bisky widmet sich dem untergegangenen Palast der Republik. Der Musiker Frank Bretschneider erzählt, wie es ihm und seiner Underground-Band AG Geige gelang, in der DDR elektronische Musik zu machen und zu verbreiten. Schließlich beleuchtet Dominique Hipp den Stammtisch als deutsches Phänomen, und Philipp Springer fragt, was Menschen Museen schenken – und warum.

Leseprobe

Herausgegeben von: Stiftung Deutsches Historisches Museum

Berlin 2023, 102 Seiten

ISBN 978-3-86102-231-2

ISSN 2626-8094

12 €, zzgl. Porto ab sofort im DHM-Museumsshop und online erhältlich

Filmreihe zur Ausstellung

Umstrittene Verwandtschaft
Filmische Reflexionen kolonialer und nationalsozialistischer Gewalt

Das Zeughauskino begleitet die Ausstellung „Umstrittene Verwandtschaft“ mit einer internationalen Retrospektive, die Filme unterschiedlicher Herkunft und Anlage zusammenbringt.

Die ältesten Beiträge der Reihe entstammen der Zeit des Nationalsozialismus, als dieser selbst im Kinosaal Kolonial- und Gewaltphantasien entwarf. Die meisten Filme nehmen jedoch eine kritische, reflexive Perspektive ein. Sie entstanden seit Mitte der 1980er Jahre in unterschiedlichen Zusammenhängen und Ländern. Gemeinsam ist ihnen eine Revision bisheriger Sichtweisen und Deutungen. 

Die Spiel- und Dokumentarfilme decken neue, bisher vernachlässigte Aspekte kolonialer und nationalsozialistischer Gewalt auf und folgen überwiegend repräsentationskritischen Ideen: Eine Einladung zum filmhistorischen Studium einer umstrittenen Verwandtschaft, die das Zeughauskino im ersten Quartal 2027 fortsetzen wird.

Das Programm vom

Oben: Banner der Ausstellung: „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt.“ Visual: DHM
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