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„SPIELERISCHE ALLIANZEN. Staatskunst, Kriegskunst und Fortuna in der Frühen Neuzeit”

Höfische Repräsentation, barocke Spielkultur, politische und wirtschaftliche Beziehungen: Diesen Themen widmete das Deutsche Historische Museum (DHM) am 29. Februar und 1. März 2024 die interdisziplinäre Tagung „SPIELERISCHE ALLIANZEN. Staatskunst, Kriegskunst und Fortuna in der Frühen Neuzeit”.

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Bernstein-Spielbrettkastens für Schach, Mühle und Tric-Trac

Ausgangspunkt war der Erwerb eines Bernstein-Spielbrettkastens für Schach, Mühle und Tric-Trac, der 1607 in Königsberg angefertigt und als diplomatisches Geschenk eingesetzt wurde. Der aus verschiedenfarbigem Bernstein zusammengesetzte Brettspielkasten zeigt auf Vorder- und Rückseite ein Mühle- und Schachspiel, im aufgeklappten Zustand ein Tric-Trac-Spiel. Die Kassette war ein repräsentatives Staatsgeschenk des Herzogtums Preußen an Jakob I., den Sohn Maria Stuarts, der 1603 zum König von England und König von Irland gekrönt wurde. Mikroschnitzereien zeigen unter anderem Tugendallegorien, Szenen aus der antiken Mythologie, den „Metamorphosen˝ des Ovid sowie Planetengottheiten, den vier Elementen und Darstellungen der Sieben Freien Künste. Beim Schachspiel finden sich zusätzlich Büsten in teils antiken, teils zeitgenössischen Kostümen.

Die Kassette gelangte vermutlich bereits im 17. Jahrhundert aus dem Besitz des ursprünglichen Adressaten über König Charles I von England und Schottland per Vermächtnis in englischen Privatbesitz und von dort in den Kunsthandel.

Das DHM nahm die kostbare Neuerwerbung zum Anlass, die krisen- und konfliktreiche Zeit „um 1600“ aus verschiedenen Perspektiven näher zu betrachten. Am Beispiel dieses Meisterstück der preußischen „Bernstein-Diplomatie“ beleuchtet die zweitägige Tagung exemplarisch die geopolitischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen im Ostseeraum. Die frühneuzeitliche Spielkultur verbindet leitmotivisch die drei Sektionen der Veranstaltung. Namhafte Expertinnen und Experten verschiedenster Wissenschaftsdisziplinen widmen sich in ihren Vorträgen unter anderem dem Spiel als einer der ältesten kulturellen Praktiken, der Kunstkammer als Spiegel höfischer Repräsentation und der Rolle des Bernstein-Monopols im Ostseehandel.

Das äußerst seltene Kunstkammerobjekt wird als eines der Highlights der DHM-Sammlung künftig in der neuen Ständigen Ausstellung des DHM zu sehen sein. Eine wissenschaftliche Begleitpublikation ist bereits in Planung und wird 2025 erscheinen.

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Fotos: Sandra Kühnapfel/DHM

Hören Sie hier den Mitschnitt der Tagung.