Veranstaltungsreihe „Objekt im Blick”: Ein Rückblick und eine ausdrückliche Empfehlung
Eine kleine Einritzung in der Helmglocke verrät, dass der osmanische Turbanhelm einst aus Istanbul kam. Die meisten von uns werden sie übersehen. Genau deshalb lohnt es sich, manche Objekte ein zweites, drittes oder sogar viertes Mal anzusehen.
Häufig erschließen sich ihre Geschichten erst durch die Expertise von (Kunst-)Historiker:innen, Kurator:innen und Restaurator:innen. Die Veranstaltungsreihe „Objekt im Blick“, die das DHM bis Oktober jeweils am ersten Mittwoch im Monat anbietet, macht diese Perspektiven sichtbar. Beim ersten Termin im Juli stand der osmanische Turbanhelm im Mittelpunkt. Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie viel ein einzelnes Objekt über Geschichte und Kultur erzählen kann.
Die Gäste an diesem Abend waren Aaron Jochim, Leiter der Sammlung Militaria: Waffen – Rüstungen – Militärisches Gerät am DHM, zu dessen Sammlungsbereich der Helm gehört, Deniz Erduman-Çalış, Kuratorin am Museum für Islamische Kunst in Berlin, und Helen Pfeifer, Associate Professor in Early Ottoman History an der University of Cambridge. Julia Voss, Kuratorin der Ausstellung Natur und deutsche Geschichte, moderiert die Reihe.
Ausgehend von dem reichverzierten Helm betrachteten die Podiumsgäste die verwobene Geschichte des Osmanischen Reiches und Europas vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Den Helm besprachen sie dabei sowohl im Kontext der Kriege und militärischen Expansionen, als auch im Zusammenhang der kulturellen und diplomatischen Beziehungen eines Großreiches der Frühen Neuzeit. Der aufwändig gestaltete Helm öffnete dabei den Blick für die Kultur osmanischer Eliten und deren Strahl- und Anziehungskraft.
Gemeinsam entschlüsselten die Wissenschaftler:innen die reiche Ornamentik des Helms und verfolgten seinen Weg vom Waffenarsenal in Istanbul bis in Berliner Sammlungen. Dabei ging es nicht nur um die Geschichte des Objekts selbst, sondern auch um die Frage, wie sich die Wahrnehmung des Osmanischen Reiches seit dem 19. Jahrhundert verändert hat und welche Begriffe und Blickwinkel wir heute kritisch hinterfragen sollten.
Besonders spannend war das Ergebnis dieses Austausches unter Expert:innen: Die einzelnen Teile des Helmes stammen nicht nur aus unterschiedlichen Zeiten, sondern weisen wahrscheinlich auch enge Beziehungen zu ähnlichen Objekten aus süddeutschen Städten auf.
Im DHM Journal können Sie eine Aufzeichnung des Gesprächs hören.
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Foto oben: Yu Minobe/DHM





