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Reiseempfehlung: Ein Besuch in Poznań (Posen)

Ende 2024 regte Vorstandsmitglied Peter Frey an, mit dem Museumsverein eine Ausstellung in Poznań zu besuchen, die er gerade angeschaut hatte. Die Ausstellung mit dem Titel „Allmachtsphantasien. Architektur und Alltag unter deutscher Besatzung“ sei inhaltlich, aber auch wegen des Ausstellungsortes eine Reise wert. Die Laufzeit der Ausstellung ist schon fast vorbei (bis 09.02.2025). Die Stadt hat uns aber so begeistert, dass wir einen Besuch nur wärmstens empfehlen können.

Warum lohnt sich eine Reise nach Poznań?

In drei Punkten zusammengefasst: Da ist einmal die historische Bedeutung der Stadt: Poznań gilt als Wiege Polens. Im Dom St. Peter und Paul befinden sich die Grablegen der ersten polnischen Herrscher. Dann das Ambiente: Auf dem Alten Markt erhebt sich, umgeben von bunten Patrizierhäusern, eines der schönsten Renaisscance-Rathäuser nördlich der Alpen. Rund um den Markt herrscht auch am Abend noch reges Treiben und lädt zu einem geselligen Getränk ein. Und zuletzt waren wir absolut beeindruckt von der Sammlung Polnische Kunst in der Gemäldegalerie des Nationalmuseums.

Mit dem Zug sind es gerade einmal zwei einhalb Stunden nach Poznań, sodass sich selbst ein Wochenendausflug lohnt.

Die Wiege Polens - der älteste Teil von Poznań

Auf der von Warthe und Cybina umsäumten Dominsel entstand ab dem 9. Jahrhundert eine Siedlung, die sich schnell zu einem der wichtigsten Machtzentren der Piasten, dem ersten Herrschergeschlecht Polens entwickelte. Herzog Mieszko I., der das Territorium durch Bündnisse und Eroberungen deutlich erweitern konnte, war 966 zum Christentum übergetreten. Der Legende nach wurde der Dom an der Stelle gebaut, an der Miezsko I. getauft wurde. Wenngleich umstritten ist, ob Miezsko I. wirklich in Poznań getauft wurde, so hat er doch hier seine letzte Ruhestätte gefunden. In der Krypta des Doms sind Überreste seines Grabmals erhalten. Auch sein Sohn Bolesław, der erste König Polens, wurde hier bestattet. Die Gräber sind heute leer. I9. Jahrhundert wurde die Goldene Kapelle als Mausoleum der ersten Piasten erbaut.

Der Besuch der Krypta kosten einen kleinen Eintrittspreis (nur in Złoty zu zahlen), den einer der Geistlichen in bar entgegennimmt.

Mehr zur Geschichte der Dominsel, den Anfängen des polnischen Staates und der Geschichte von Poznań können Sie im archäologischen Museum Genius Loci und im Brama Poznania, einer Multimediaausstellung, entdecken.

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Dominsel mit Blick auf den Dom von Poznań (St. Peter und Paul Kathedrale). Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Stil der Backsteingotik wiederaufgebaut.

Der Alte Markt

Schon seit seiner Entstehung sorgt das Uhrwerk des Rathauses für Belustigung: Zur vollen Stunden treffen zwei Ziegenböcke aufeinander und schlagen, die Stundenzahl zählend, die Hörner zusammen. Inzwischen erscheinen die Ziegenböcke nur noch um 12 Uhr mittags.

1253 erhielt Poznań das Stadtrecht. Im selben Jahr wurde der Alte Markt angelegt. Mit 141 x 141 Metern ist es der drittgrößte Marktplatz in Polen. Statt wie in anderen Orten am Rande des Platzes erhebt sich wunderschönen Rathaus im Stil der Renaissance Mitten auf dem Platz. Es wurde im 16. Jahrhundert von einem italienischen Baumeister gebaut, nachdem der Vorgängerbau einem Brand zum Opfer gefallen war. Inzwischen beherbergt das Gebäude das städtische Museum für Geschichte.

Vor dem Rathaus steht der Pranger und verdeutlicht – ähnlich dem Roland in deutschen Städten – die Gerichtsbarkeit der Stadt. Die Figur auf der Säule stellt einen Henker mit Schwert und Zuchtrute dar. Am Fuße der Säule wurden Ehrenstrafen ausgeführt. Der Inschrift ist zu entnehmen, dass der Pranger aus dem 16. Jahrhundert – die Originalfigur steht im Rathaus – durch Bußgelder der Mägde finanziert wurde, die gegen die strenge Kleiderordnung verstoßen hatten.

Eine Reihe von schmalen Häusern mit Laubengang erheben sich rechts vom Rathaus auf dem Platz. Im Mittelalter standen an dieser Stelle hölzerne Buden, in der unter anderem Hering verkauft wurde. Im 16. Jahrhundert wichen die Buden gemauerten Häusern. Auch die reichen Adelsfamilien waren am Markt vertreten. Sie bauten im 18. Jahrhundert große Stadtpalais, die sich über zwei Grundstücke spannen.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Alte Markt, wie viele Teile von Poznań, starke Zerstörungen. Während die Häuser und das Rathaus wieder aufgebaut wurden, entstand statt der Tuchhalle, die ebenfalls auf dem Platz gestanden hatte, ein modernes Ausstellungsgebäude.

In den Straßen rings um den Alten Markt laden viele Kneipen zum Verweilen ein. Auch im Januar war der Platz am Abend belebt und die Weihnachtsbeleuchtung erstrahlte ebenfalls noch. Es lohnt sich ein Spaziergang über den Alten Markt zu unterschiedlichen Tageszeiten.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Krämer- oder Budenhäuser wieder in ihrem ursprünglichen Charakter rekonstruiert.

Poznań unter preußischer Herrschaft

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Im ehemaligen Kaiserschloss befindet sich heute das Kulturzentrum ZAMEK mit einem Kindertheater, einem Kino, Ausstellungen und vielem mehr.

Vor den drei Teilungen im 18. Jahrhundert war Polen ein europäischer Großstaat, der von der Ostsee knapp bis zum Schwarzen Meer reichte. Mit der Zweiten Polnischen Teilung beanspruchte Preußen Danzig, Thorn, Großpolen und Masowien.

Poznań/Posen wurde Hauptstadt der Provinz Posen, in die deutscher Siedlerinnen und Siedler ziehen sollen. Im Gebiet zwischen dem Bahnhof und dem Alten Markt hat diese Zeit ihren architektonischen Ausdruck im Kaiserforum gefunden. Der Höhepunkt war das für Wilhelm II. errichtete Kaiserschloss. Eine Post, ein Theater, die Königliche Ansiedlungskommission, die Königliche Akademie und das Kaiser-Friedrich-Museum gehörten ebenfalls zum Forum. Unter der polnischen Bevölkerung entstanden parallel zahlreiche Vereine und Institutionen, die sich der Bewahrung der polnischen Sprache, Kultur und Identität widmeten.

Das Nationalmuseum

Das ehemalige Kaiser-Friedrich-Museum dient weiterhin als Ausstellungsort der hiesigen Gemäldesammlung. Statt der Verweise auf deutsche Künstler rühmt der Bauschmuck nun die polnische Kunst. Als Teil des Nationalmuseums wird hier nicht nur eine umfangreiche Sammlung europäischer Kunst, sondern auch eine absolut sehenswerte Dauerausstellung mit Kunstwerken polnischer Künstler und Künstlerinnen gezeigt. Die Sammlung reicht vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Sie entdecken hier Werke von Jacek Malczewski, Stanisław Wyspiański und Jan Matejko. Besonders sehenswert sind auch die Portraitarbeiten von Stanislaw Ignacy Witkiewicz oder die Werke von Olga Bozanańska. Planen Sie genug Zeit für die Gemäldegalerie ein. Es lohnt sich.

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Many thanks to Magdalena for the inspiring tour of the National Museum. She has awakened our enthusiasm for Polish painting of the last centuries.

„Allmachtsphantasien. Architektur und Alltag unter deutscher Besatzung”

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Während der Besatzung seien polnische Kulturgüter gezielt zerstört worden, berichtet Aleksandra Paradowska.

Herzlich danken wir Kuratorin Aleksandra Paradowska (Poznań) und Annika Wienert vom Deutsches Historisches Institut Warschau (DHI) für die Führung durch „Allmachtsphantasien. Architektur und Alltag unter deutscher Besatzung“.

Die Ausstellung, die im Kulturzentrum ZAMEK im ehemaligen Kaiserschloss von Poznań noch bis Anfang Februar 2025 zu sehen ist, entstand in Zusammenarbeit mit dem DHI. Sie thematisiert die deutsche Besatzung Polens während des Zweiten Weltkrieges am Beispiel des Warthegaus.

Der Warthegau (offiziell: Reichsgau Wartheland) umfasste Großpolen, einen Teil von Kujawien und die zentralpolnische Region um Łódź und war nach der Besatzung gegen internationalem Recht in das Deutsche Reich eingegliedert worden. Mit vielfältigen Objekten beleuchtet die Ausstellung wie der nationalsozialistische Verwaltungsapparat in allen Lebensbereichen die Illusion einer Allmacht über das neu beherrschte Territorium.

Im Fokus steht die Architektur, die einen Rahmen für den Alltag bildet. Das ehemaligen Kaiserschloss ist dabei das größte Exponat. Als letztes Residenzschloss in Europa unter dem deutschen Kaiser Wilhem II. ab 1905 erbaut, ist es ein Ausdruck der deutschen Herrschaft in Posen, das mit der Zweiten Polnischen Teilung 1793 dem preußischen Staat einverleibt wurde. Bewusst wählte Architekt Franz Schwechten eine neoromanische Formensprache, da viele Zeitgenossen in der Romanik einen deutschen Architekturstil sahen.

Auch unter den Nationalsozialisten hatte das Schloss eine besondere Bedeutung: Es war der wichtigste Repräsentationsbau im Warthegau. Seine Silhouette, versehen mit dem Schriftzug des offiziellen Namens „Posener Schloss“, diente als Symbol des Gaus. Dieser Vorzeigefunktion entsprechend begann 1940 ein Umbau des Schlosses zur Führerresidenz, einschließlich eines Arbeitszimmers für Adolf Hitler, das dieser aber nie nutze. Die Bedeutung, die das Gebäude für die Nationalsozialisten hatte, zeige sich auch daran, dass die Arbeiten trotz der Niederlagen der Wehrmacht bis in die letzten Kriegstage fortgesetzt wurden, erklärt Aleksandra Paradowska. Ausgeführt wurden die Arbeiten in erster Linie von Zwangsarbeitern.

Es ist diese historische Einbettung, die die Ausstellung besonders wirkmächtig macht. Im ersten Raum setzt Aleksandra Paradowska dem Neu- und Umbau von Architekturen, die gezielte Zerstörung von Bauwerken entgegen. Trümmer der Synagoge in Rawicz und der Kopf einer Statue des heiligen Nepomuk sind hier zu sehen.

In Korrespondenz zu den Trümmern bricht die Künstlerin Iza Tarasewicz die monumentale Wirkung des Hitler-Arbeitszimmers am Ende der Ausstellung mit der Installation „Gelbe Kohle“. Sie greift in ihrem Werk eine Idee des Schriftstellers Zygmunt Krzyżanowski auf, das in der Welt grassierende Böse als Energiequelle zu nutzen.

Ein Begleitband zur Ausstellung ist zurzeit in Arbeit.

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Intervention "Gelbe Kohle" von Iza Tarasewicz

Zwei nützliche Links:

Die Stadt Poznań bietet auf ihrer Internetseite einen mehrteiligen Audiorundgang an. Er ist in sieben Stadtrouten gegliedert und erlaubt Ihnen viele weitere Entdeckungen.

Mehr über die Baudenkmäler der Stadt erfahren Sie in einer Datenbank der Region.

Wir wünschen Ihnen viel Freude in Poznań!

Text: Maríon Bayer
Fotos: Maríon Bayer/Museumsverein DHM

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