Unser europäischer Kulturtipp für den Herbst: Landesmuseum Zürich "Wir und der Krieg"
Die Ausstellung „Wir und der Krieg“ im Landesmuseum Zürich zeigt noch bis zum 17. Januar 2027 anhand eindrucksvoller Objekte, multimedialer Installationen und persönlicher Geschichten, wie bewaffnete Konflikte seit Jahrhunderten Politik, Gesellschaft und das Selbstverständnis der Schweiz beeinflussen.
Die Schweiz und der Krieg: Diese Verbindung mag auf den ersten Blick – insbesondere aus der deutschen Perspektive – überraschen. Während die öffentliche Wahrnehmung der Schweiz vor allem von ihrer Tradition der Neutralität geprägt ist, zeigt die Ausstellung, wie eng die Geschichte des Landes dennoch mit kriegerischen Auseinandersetzungen verflochten ist.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt ausdrücklich auf der Schweizer Neutralität und ihren Handlungsspielräumen zwischen Sicherheit, Solidarität und internationaler Verantwortung. Interaktive Angebote wie der „Neutralitätskompass“ schlagen den Bogen zur Gegenwart und laden dazu ein, das Verhältnis der Schweiz zu Krieg und Frieden neu zu reflektieren.
Gleich zu Beginn zeigt die Ausstellung, wie Kriege das Selbstverständnis der Schweiz seit dem Spätmittelalter geprägt haben. Historische Objekte, Gemälde und Dokumente beleuchten die Entstehung nationaler Mythen rund um Wilhelm Tell, den Rütlischwur oder die Schlacht von Murten und hinterfragen traditionelle Vorstellungen von Wehrhaftigkeit und Neutralität.
Die Ausstellung verdeutlicht, wie Kriege Wirtschaft und Gesellschaft der Schweiz bis heute prägen: von Söldnerdiensten und Waffenhandel über soziale Konflikte und Migration bis hin zu veränderten Geschlechterrollen.
Einen eindrucksvollen Bezug auf die Gegenwart bietet die Videoinstallation „Repeat after Me“ einer ukrainischen Künstlergruppe. Darin ahmen ukrainische Geflüchtete die Geräusche von Schüssen, Artillerie und Sirenen nach. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, diese Klänge nachzusprechen. So entsteht eine eindringliche Erinnerung daran, dass Krieg nicht nur Teil der Geschichte ist, sondern bis heute Erfahrungen prägt und Menschen bewegt.
Foto oben: Blick auf die Videoinstallation „Repeat after Me” in der Ausstellung „Wir und der Krieg” im Landesmuseum Zürich. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum


