Ein osmanischer Turbanhelm aus der Sammlung des DHM war Thema der Auftaktveranstaltung „Objekt im Blick" im Juli 2026.

Veranstaltungsreihe „Objekt im Blick”: Ein Rückblick und eine ausdrückliche Empfehlung

Eine kleine Einritzung in der Helmglocke verrät, dass der osmanische Turbanhelm einst aus Istanbul kam. Die meisten von uns werden sie übersehen. Genau deshalb lohnt es sich, manche Objekte ein zweites, drittes oder sogar viertes Mal anzusehen.

Häufig erschließen sich ihre Geschichten erst durch die Expertise von (Kunst-)Historiker:innen, Kurator:innen und Restaurator:innen. Die Veranstaltungsreihe „Objekt im Blick“, die das DHM bis Oktober jeweils am ersten Mittwoch im Monat anbietet, macht diese Perspektiven sichtbar. Beim ersten Termin im Juli stand der osmanische Turbanhelm im Mittelpunkt. Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie viel ein einzelnes Objekt über Geschichte und Kultur erzählen kann.

Die Gäste an diesem Abend waren Aaron Jochim, Leiter der Sammlung Militaria: Waffen – Rüstungen – Militärisches Gerät am DHM, zu dessen Sammlungsbereich der Helm gehört, Deniz Erduman-Çalış, Kuratorin am Museum für Islamische Kunst in Berlin, und Helen Pfeifer, Associate Professor in Early Ottoman History an der University of Cambridge. Julia Voss, Kuratorin der Ausstellung Natur und deutsche Geschichte, moderiert die Reihe.

Ausgehend von dem reichverzierten Helm betrachteten die Podiumsgäste die verwobene Geschichte des Osmanischen Reiches und Europas vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Den Helm besprachen sie dabei sowohl im Kontext der Kriege und militärischen Expansionen, als auch im Zusammenhang der kulturellen und diplomatischen Beziehungen eines Großreiches der Frühen Neuzeit. Der aufwändig gestaltete Helm öffnete dabei den Blick für die Kultur osmanischer Eliten und deren Strahl- und Anziehungskraft.

Gemeinsam entschlüsselten die Wissenschaftler:innen die reiche Ornamentik des Helms und verfolgten seinen Weg vom Waffenarsenal in Istanbul bis in Berliner Sammlungen. Dabei ging es nicht nur um die Geschichte des Objekts selbst, sondern auch um die Frage, wie sich die Wahrnehmung des Osmanischen Reiches seit dem 19. Jahrhundert verändert hat und welche Begriffe und Blickwinkel wir heute kritisch hinterfragen sollten.

Besonders spannend war das Ergebnis dieses Austausches unter Expert:innen: Die einzelnen Teile des Helmes stammen nicht nur aus unterschiedlichen Zeiten, sondern weisen wahrscheinlich auch enge Beziehungen zu ähnlichen Objekten aus süddeutschen Städten auf. 

Im DHM Journal können Sie eine Aufzeichnung des Gesprächs hören.

Am 5. August geht es um den Morgenrock von Königin Luise

Genau darin liegt der Reiz der Reihe „Objekt im Blick“. Ausgewählte Objekte werden nicht nur vorgestellt, sondern gemeinsam mit externen Expert:innen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und diskutiert. Die Reihe gibt damit einen besonderen Einblick in die Arbeit von (Kunst-)Historiker:innen, Sammlungsleiter:innen und Museumsmacher:innen und ihren Umgang mit Exponaten. Wir können einem Fachgespräch beiwohnen, ohne abgehängt zu werden, und haben die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen.
Wer für Objekte mehr als einen flüchtigen Blick übrig hat, ist hier absolut richtig. 
 
Die nächste Veranstaltung findet am 5. August statt. Dann richtet sich der Blick auf den Morgenrock der Königin Luise von Preußen. Auch die weiteren Termine versprechen spannende Einblicke in die Sammlungen des DHM und die Geschichten hinter ihren Objekten. Welche spannenden Details zu diesem Stück und zu feudaler Mode allgemein werden wir dann erfahren? Und wie ging das Museum für deutsche Geschichte mit dem königlichen Kleidungsstück um? Julia Franke, die zuständige Sammlungsleiterin, und Birte Förster, Professorin für Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Bielefeld, nehmen dieses Objekt in den Blick.
 
Nach dem gelungenen Auftakt lohnt sich der Besuch ganz sicher.
 
 
 
 

Foto oben: Yu Minobe/DHM