Felix Pongratz, Vorsitzender des Museumsvereins des DHM, und Matthias Miller, Sammlungsleiter Sammlungsleiter Handschriften – Alte und wertvolle Drucke, zeigen den Mitglieder Welsers Stammbuch, das unlängst mit Mitteln des Museumsvereins erworben wurde.

Ein gelungener Abend – unsere Mitgliederversammlung 2026

In diesem Jahr haben wir bei unserer Mitgliederversammlung einiges anders gemacht: Die kurze formale Sitzung wurde von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.

Im Gespräch mit Raphael Gross

Zum Auftakt des Abends sprach unsere Schriftführerin Frida Elisson mit Raphael Gross, Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, über aktuelle Entwicklungen im DHM. Im Mittelpunkt standen die Rückgabe eines im Museumsdepot entdeckten Bronzereliefs an die belgische Stadt Dinant, die Bedeutung der Provenienzforschung sowie die aktuelle Ausstellung Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung. Darüber hinaus gab Raphael Gross Einblicke in kommende Ausstellungsprojekte, den Stand der Sanierung des Zeughauses und die Herausforderungen, vor denen das Museum derzeit steht.

An das Gespräch schloss sich eine lebhafte Fragerunde an. Die Mitglieder nutzten die Gelegenheit, insbesondere zur Zukunft des Zeughauses, den Auswirkungen der langjährigen Schließung und den Perspektiven für die Präsentation der deutschen Geschichte im DHM nachzufragen. Raphael Gross beantwortete die Fragen ausführlich und betonte sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen, die sich für das Museum in den kommenden Jahren ergeben.

Frida Elisson, Schriftführerin des Museumsvereins des DHM, im Gespräch mit Raphael Gross, Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum bei der Mitgliederversammlung des Museumsvereins des DHM. e. V. 2026
Frida Elisson und Raphael Gross sprechen über das DHM.
Felix Pongratz, der Vorsitzende des Museumsvereins, führt durch die Mitgliederversammlung.
Der Vorsitzende Felix Pongratz berichtet zum Geschäftsjahr 2025.

Herzlichen Dank für das Engagement

Sachlich und zügig führte der Vorsitzende Felix Pongratz durch die Tagesordnung. Besonders wichtig war ihm der Dank an die Menschen, die den Verein tragen. Er galt zunächst den Mitgliedern, deren Engagement und Unterstützung die Förderprojekte und die Arbeit des Museumsvereins überhaupt erst ermöglichen. Verbunden war damit die Einladung, den Verein weiter bekannt zu machen, neue Mitglieder zu gewinnen und besondere Anlässe wie Geburtstage oder Jubiläen als Gelegenheit für Spenden zugunsten des Museumsvereins zu nutzen.

Felix Pongratz dankte zudem den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle. Maríon Bayer, die Geschäftsstellenleiterin, halte, wie er formulierte, „den Laden zusammen“. Unterstützt werde sie seit Oktober von der studentischen Mitarbeiterin Saskia Heßdörfer, die sich mit großem Engagement in die Arbeit der Geschäftsstelle eingebracht habe. Sein Dank galt ebenso den langjährigen Kassenprüfern N. P. und J. R. F. , die den Jahresabschluss Jahr für Jahr gewissenhaft prüfen.

Ein Schatz der Renaissance – unser jüngstes Förderprojekt

Mit besonderem Interesse verfolgten die Mitglieder anschließend die Vorstellung des jüngsten, vom Museumsverein finanzierten Ankaufs: des Stammbuchs von Sebald d. Ä. Welser aus dem späten 16. Jahrhundert. Matthias Miller, Sammlungsleiter für Handschriften und Alte Drucke sowie Leiter der Bibliothek des DHM, erläuterte die Bedeutung des außergewöhnlichen Objekts und dankte dem Verein für die Unterstützung beim Erwerb. Das Stammbuch konnte im April 2026 erworben werden.

Sebald Welser, ein Nürnberger Patrizier, dokumentierte darin Stationen seiner mehrjährigen Studienreisen durch Padua, Löwen, Bologna sowie weitere Orte in Italien und den Niederlanden. Die datierten Einträge ermöglichen es, seine Wege und Kontakte nachzuvollziehen. Anhand ausgewählter Beispiele zeigte Matthias Miller, wie sich darin akademische Netzwerke, persönliche Begegnungen und Eindrücke der bereisten Städte widerspiegeln.

Besonders eindrucksvoll sind die Gouachemalereien der Wappen sowie zahlreicher figürlicher Darstellungen.

Bemerkenswerte Parallelen weisen die Illustrationen zu einem Stammbuch auf, das heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg aufbewahrt wird und einem Nürnberger Studienfreund Welsers, Wolfgang Harsdörfer, gehörte. Viele Einträge überschneiden sich. Die große Ähnlichkeit der Malereien legt nahe, dass sie nach der Rückkehr aus Italien, vermutlich in Nürnberg, von demselben Briefmaler ausgeführt wurden.

Nach dem Vortrag hatten die Mitglieder Gelegenheit, das Stammbuch aus nächster Nähe zu betrachten. Matthias Miller betonte, dass der Ankauf nicht nur wissenschaftlich von großem Wert sei, sondern sich aufgrund seiner eindrucksvollen Gestaltung auch hervorragend für künftige Ausstellungen eigne.

Vollständige Objektbezeichnung:

Sebald I. Welser: Stammbuch
verschiedene Orte (Italien, Niederlande), 1576-1580
DHM, Bibliothek, Inv.-Nr. R 2026/72

Der krönende Abschluss

Den Abschluss des Programms bildete eine Führung durch die Ausstellung Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung. Kurator Wolfgang Cortjaens führte die Mitglieder gemeinsam mit Simon Sacha und Giorgio Del Vecchio, die ebenfalls zum Ausstellungsteam gehören, durch die Präsentation. Neben den Geschichten zu den Objekten zogen die Einblicke in die Ausstellungskonzeption die Teilnehmenden in den Bann.

Mit einem Empfang im Foyer des Pei-Baus klang der Abend schließlich in angenehmer Atmosphäre aus und bot Gelegenheit für Gespräche und Austausch.

 

Für die spannenden Einblicke in die Arbeit des Deutschen Historischen Museums danken wir Raphael Gross, Matthias Miller, Wolfgang Cortjaens, Simon Sacha und Giorgio Del Vecchio sehr herzlich.

 

Fotos der Veranstaltung: Maríon Bayer und Juliane Cuno / Museumsverein DHM.
Fotos des Stammbuchs: Matthias Miller / DHM